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MICHEL KLÖFKORN @ CON[SPACE]

What‘s up in Germany? People are sitting on their traffic lights. Is this car-driving nation letting go? Are they asking themselves new questions?

In Form eines Werbeclips promotet der Künstler Michel Klöfkorn eine öffentliche Aktion, das Ampelsitzen, als Reaktion auf die heutige Autokultur, die nicht nur unser Leben beschleunigt, sondern auch den urbanen Raum gestaltet. Vielleicht ist „Ampelsitzen“ aber auch weniger eine Anleitung zum Handeln, als vielmehr ein ironischer Kommentar zur immer beliebter werdenden Verschmelzung von Protest- und Eventkultur? Auf jeden Fall sticht der Kurzfilm, der 2007 im Rahmen des Projekts: Commercials for concepts. Ideas for Europe. (Raum für Projektion, Köln) entstand, aus Michel Klöfkorns Werk heraus.

Der Filmemacher experimentiert gern und verwendet verschiedene Techniken wie Zeitraffer oder Stop Motion. Entweder greift er ein Stück Welt heraus, eine Landschaft, Zeitschriftenseiten, Werbeplakate und bearbeitet sie. Oder er zeichnet aus der Erinnerung, wie für den Film „Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde an den Rand der Atmosphäre“ von 2011 mit dem Klöfkorn 2012 den Deutschen Kurzfilmpreis gewann. Der Film aus 10000 Einzelbildern behandelt gesellschaftliche Themen wie Ökonomie, Geschichte, Militarismus, Stadt und Natur auf eine assoziative Weise.

Die Reise beginnt in einer Landschaft. Weiße Linien auf schwarzen Grund biegen sich wie Halme im Wind. Vogelgezwitscher, Bienensummen. Plötzlich leuchten Schraffuren auf, werden zu Gewitterwolken, die Schatten auf eine sturmgepeitschte Wiese werfen. Nicht nur die Landschaft auch der Betrachter gerät in Bewegung. Schatten von sich drehenden Fahrradspeichen, vorbeiziehende Autogeräusche geben ein wenig Orientierung. Wir befinden uns scheinbar auf einer Straße. Im nächsten Moment verlieren wir auch diese Sicherheit, da sich die Lichterkette, die die Straße markiert, in das flirrende Lichtspiel von Fahrgeschäften verwandelt. Vom nächtlichen Kirmesbesuch geht‘s weiter auf der Reise durch verschiedene Bildwelten. Von Vögeln begleitet, schweben wir durch ein vor uns zurückweichendes Geäst bevor uns eine Schar von Zahlen entgegen fliegt und wir uns an der Börse wähnen. Das Zahlendickicht löst sich schließlich wieder auf, wird zum Sternenhimmel, dessen Sternenbilder wiederum an Nervenbahnen erinnern. Phrasen wie „Psychoanalyse der Siegessäule“ und andere heitere Tiefgründigkeiten, die in den Bilderfluss eingewoben sind, eröffnen weitere Assoziationsketten. Michel Klöfkorn geht es darum, Dinge zu zeigen, die man weder fotografieren, noch filmen kann. Mit seinen Zeichnungen gelingt es ihm, eine eigene Welt zu erschaffen, die Gegenwärtiges und Vergangenes, Galaktisches und Mikroskopisches, Bildliches und Sprachliches miteinander in Beziehung setzt.

Die Ausstellung Michel Klöfkorn : Ampelsitzen im con[SPACE] (Atelierfrankfurt) läuft bis zum 27. August 2015 Öffnungszeiten: Di, Mi, Do 16.00 –19.00

Ausstellungsansicht fotografiert von Raul Gschrey

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